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There is no such thing as a dirty word. Nor is there a word so powerful,
that it's going to send the listener to the lake of fire upon hearing it. - F.Zappa

Posting 584 - 19.02.2002
Offizielle Propaganda
Laut einem Artikel der New York Times (erfordert login, ist aber gratis) gibts im Pentagon ein "Office of Strategic Influence", oder weniger euphemistisch ausgedrückt ein Propagandaamt, dessen Aufgabe darin besteht gezielt Nachrichten, darunter auch gefälschte(!), an ausländische Medien weiterzugeben. Bisher arbeitet diese Abteilung des Department of Defense noch ohne den offiziellen Segen des Präsidenten, bzw. nur intern, daßsoll sich aber in den nächsten Wochen ändern. Immerhin wurde das "Office of Strategic Influence" mit einem Millionenetat ausgestattet obwohl noch nicht klar ist ob eine solche Form der Propaganda mit bestehenden Propagandagesetzen vereinbar ist.

Es ist erstaunlich zu sehen wie das Klima in den USA sich in den letzten 6 Monaten verändert hat, speziell auch im Sprachgebrauch, nicht nur in den Medien sondern auch im Alltag. Aber das rechtfertigt einen eigenes Posting in den nächsten Tagen.
Kommentare bisher:

[1]
Die Meldung habe ich eben auch schon hier gelesen:
http://derstandard.at/standard.asp?id=870400
Ansonsten bin ich noch sprachlos.

[2]
So eine Desinformationsabteilung hat eigentlich jede moderne Armee und jeder Geheimdienst. So hoch angebunden war es jedoch höchstens noch beim MfS der DDR. Die hatten auch die Westjournalisten ganz gut in Griff, haben fleißig Quellen gefälscht und den ganzen anderen Quatsch. Denn was hat es genützt? Im Endeffekt kann man nicht alle für immer bescheißen. Ich seh sogar die Gefahr, daß, wenn den allgemeinen Massenmedien immer weniger geglaubt wird, weil sie gewollt oder ungewollt Desinformation verbreiten, Gerüchte und Verschwörungstheorien sich gegen jeden staatlichen Widerstand Bahn brechen. Und dann erreichen die amerikanischen Macher allen voran wieder einmal das Gegenteil von dem, was sie eigentlch wollten.

[3]
ohne jetzt den artikel im speziellen gelesen zu haben, ist das wirklich eine änderung des ist-zustandes?

erinnert sei z.B. an die letzten konflikten. erinnert sich jemand noch an "operation desertstorm" (USA/kuwait vs. irak), als am anfang die kuwaitis verbreiten liessen daß die iraker eine säuglingsstation in kuwait city überfallen haben, und die säuglinge umgebracht haben. hat sich später als propagana herausgestellt.

ähnliches während der bombadierung serbiens vor 2jahren. da gab es ein höchstinteressanten soku-film von "canal+" über die "spindoctors" und wie sie immer mehr die kontrolle über die täglich abgehaltenen pressekonferenzen im NATO-hauptquartier übernahmen. als der pressesprecher jamie "dingenskirchen" die sache nicht positiv und offensiv genug vertrat, wurden zwei spindoctors/berater aus dem umfeld von clinton nach brüssel versandt, und die PKs tagtäglich wie werbekampagnen vorbereitet, was die spindoctors im rückblick auch offen zugegeben haben.

selbst im alltag ist es so daß z.B. viele beiträge in funk und fernsehen durch lobbyisten initiiert und bezahlt werden. dann und wann (oder häufiger) sogar bis tief in das öffentlich-rechtliche fernsehen/rundfunk hinein?

hätte nicht eigentlich nicht der einsatz von splitterbomben durch die amis in afghanistan für einen skandal sorgen müssen? sind splitterbomben nicht durch irgendeiner konvention oder UN-beschluß eigentlich verboten?

[4]
@ Seewolf: Im Grunde haben wir das ja schon. Die Kriegspropaganda aus den USA ist so billig, daß es für Leute wie Matthias Bröckers (WTC-Conspiracy) ein Leichtes ist, den Gegenpart zu George W. zu spielen: Die USA sind immer an allem selbst schuld!? (Das sieht dann manchmal ein bißchen so aus wie bei den Moralaposteln, die die verkommenen Sünder brauchen, um sich überlegen zu fühlen.)

Ich war gestern vor allem überrascht, daß das so offen rausposaunt wird mit der neuen Propagandalinie, es sieht so aus, als wolle man Falschinformation als das gute Recht der Achse des Guten etablieren oder so ähnlich: Wir sind dermaßen im Recht, daß wir dieses Mittel einsetzen dürfen. - Daß es Falschinformation gibt, war mir nichts wirklich Neues. So recht einordnen kann ich das Ganze immer noch nicht. Zur Zeit kommen mir viele Medienberichte einfach vor wie ein schlechter Film, und ich habe keine Lust, mir irgendeinen Klugscheißer als alternativen Wahrheitsguru zu suchen.

[5]
Natürlich ist der Fakt daß Propaganda überall betrieben wird nicht neu. Aktionen wie die Flugblatt-Abwürf über Afghanistan gehören zum "normalen" Militäralltag.
Das neue an diesem OSI ist wohl eher daß eine Regierung Geld dafür ausgibt gefälschte Meldungen auch an befreundete Staaten (Westeuropa) und deren Medien rauszugeben, die Folge könnte eine Zerrüttung diverser Bündnispartnerschaften sein, weshalb es ja auch einige Gegenstimmen in den USA zu diesem Vorhaben gibt.
Es ist eben ein Unterschied ob aus "gutunterrichteten Kreisen" (=FBI/CIS/NSA) berichtet wird wie in Mittelamerika eine Drogenaktion abgelaufen ist, oder ob das Pentagon Lügen über den Einsatz in Afghanistan über AP verbreiten läßt.

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