Wie ein intelligenter Mensch, mit Hang zu Individualismus ausgestattet und durchaus fähig eine eigene Meinung nicht nur zu fassen, sondern auch zu begründen, zu vertreten und zu verteidigen [*], wie also so ein Mensch, wie ich ihn gerne in meiner Umgebung habe, Mitglied in einer Partei sein kann ist für mich vollkommen unverständlich.

Die Natur einer Partei - und ich rede hier nur von demokratischen Parteien - ist es viele Einzelmeinungen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner runter zu brechen und mittels eines solchen Kompromisses zu repräsentieren. Die Realität einer Partei ist es an vorgefestigten Dogmen, Grundausrichtungen festzuhalten und die politischen Inhalte von diesen Dogmen abzuleiten, die gelegentlichen "Ausreisser" lasse ich dabei unbetrachtet. Ist es also so, dass ein Parteimitglied sich bei 60%, 70% oder 80% aller Themenbereiche mit der Haltung der Partei identifizieren kann? Gibt es tatsächlich 2-3 Mehrheitsgruppen in der Bevölkerung die sich gleichzeitig über Themen der Wirtschafts-, Aussen-, Innen-, Bildungs- und Sonstigenpolitik zumindest tendenziell einig sind? Und wer repräsentiert mich? Ich hab in den letzten 16 Jahren regelmäßig die Programme der Parteien studiert, aber keines dieser Kompromissgebilde vertritt meine persönlichen Einstellungen, nichtmal mehrheitlich. So gesehen war jede Wahl eine Wahl des geringsten Übels, aber vielleicht muss ich sie erst noch gründen, die Partei der Individualisten.

Wie ein intelligenter Mensch [* s.o.] aktives Mitglied in einer Kirche/Sekte sein kann ist für mich vollkommen unverständlich.
Einen bestimmten Glauben zu haben ist eine Sache, auch den Wunsch sich über diesen Glauben mit anderen Menschen auszutauschen kann ich nachvollziehen, aber als Bürger eines modernen Landes im 21.Jahrhundert sein Leben den Ideen einer kirchlichen Organisation unterzuordnen ist mir unbegreiflich. Ist es einfach nur ein bequemer Weg die vorgedachten Konzepte und Regeln einer größeren Gruppe zu übernehmen anstatt sich selbst Gedanken zu machen? Liegt die Hauptmotivation darin mit Gleichgesinnten Rituale zu zelebrieren? Oder ist es wirklich nur so, dass Kirchen Hoffnung verkaufen?
Ich habe aus meiner Erziehung einen katholischen Hintergrund mitgebracht, eine Vergangenheit die ich nicht verleugnen kann und will. Auf die Idee jedoch an einer Messe teilzunehmen käme ich nicht, schon gar nicht regelmäßig. Ist auch das nur wieder falsch verstandener Individualismus? Zumindest muss ich aber keine Kirche gründen, bin ich doch "Ordained Minister" bei der Universal Life Church und darf als solcher sogar in den meisten amerikanischen Bundesstaaten Paare trauen.

Nachtrag: dies soll nicht als Hetze oder Beleidigung verstanden werden, es ist tatsächlich mangelndes Verständnis meinerseits, aufklärenden Argumenten gegenüber habe ich ein offenes Ohr.


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