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Vorab die Nullnummer des neuen Magazins Neon erhalten, der legitime Nachfolger des SZ Jugendmagazins jetzt. Im Untertitel »Eigentlich sollten wir erwachsen sein«, trifft die Sache schon recht gut, nach eigenem Verständnis ist man Zielgruppe, wenn man diesen Satz für sich unterschreiben kann.
Das Layout dürfen berufenere Kritiker zerpflücken, ich finds ok. Die Themenvielfalt ist fast erschlagend, auf 180 Seiten wird alles von Popkultur bis Politik, von Mode bis Sex in den Themenbereichen »Wilde Welt«, »Sehen«, »Fühlen«, »Wissen«, »Kaufen« und »Freie Zeit« bedient. Schöne Bilder, unterhaltsame Trivia und etwas Meinung machen ein rundes Bild.
Am schwächsten ist Neon beim Titelthema »Die 100 wichtigsten Deutschen«, eine willkürliche Auflistung von mehr oder weniger prominenten Twens - nach Abzug von Schauspielern, TV-Moderatoren und Kleiderständern bleiben grad mal 70 Personen in der Liste die vielleicht wichtig sind, und da könnte man noch locker ein paar Sportler rausdiskutieren. Bleibt die Frage, was solche Listen überhaupt sollen, »Lebenswert« ist anders. Auch der Politik Artikel »Terror in Deutschland« schmeckt bäh nach Stern und üblicher Medien-Panikmache.
Am Stärksten ist Neon dann, wenn es im Teil »Fühlen« wie früher im jetzt-Magazin offen über Gefühle sprechen lässt. Und die angenehm geschlechtsneutral gehaltene Themenbreite. Viel Platz für viele Meinungen und gerade deswegen waren mir manche Beiträge zu kurz. Wenn Matthias Kalle in rund 500 Wörtern über seine politische Entwicklung unter dem Titel »Was ist noch links?« schreibt, dann dürften das auch gerne 1500 Wörter sein. Oder ein Interview mit Franka Potente in L.A., dass statt der 2 knappen Seiten auch gerne doppelt so lange sein dürfte. Filmtipps in Tageszeitungskürze, extrem knapper dedizierter Platz für Musik und unter dem Titel »Bits« ein nicht sonderlich aktueller Artikel über Google Art und Googlewhacking (Januar 2002).
Genug gelästert, Neon hat auch viel Spass gemacht, und bleibt erstmal auf dem Esstisch liegen. Ein mit seinen Lesern mitgewachsenes »jetzt«, mit einer üppigen Portion »Tempo« und einem Schuss »Focus« und »Stern« (leider). Ich würds weiterhin lesen.


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