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H.Singhammer (CSU) fordert im Interview mit der SZ die 48-Stunden-Woche und er weiss auch genau warum. Kürzere Arbeitszeiten haben keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, sondern zur Abwanderung von Arbeitsplätzen geführt. So weit, so gut. Aber dann packt er das Killerargument aus:
»In Deutschland arbeiten wir im Jahresschnitt 1480 Stunden. In den USA wird 350 Stunden mehr gearbeitet, das sind fast acht Wochen«
Ich kann es nicht mehr hören! Jeder der diesen Schwachsinn ungesehen nachbetet, soll doch bitte erst einmal für ein Jahr in den USA arbeiten. Richtig ist, dass die nominellen Urlaubszeiten sehr viel kürzer sind. Dafür nehmen sich viele Arbeiter und Angestellte Pausen, Fehltage und Krankheit (wenn auch nach wenigen Tagen unbezahlt), da würde die Deutsche Beamtenseele mit den Ohren schlackern. Und wo kann ich bitte in Deutschland mein Sabbatical nehmen? Von Montag früh bis Sonntag Abend schaffen die Amerikaner bei unterschiedlichen Arbeitszeiten etwa gleich viel weg, d.h. die Produktivität (Ergebnis pro Zeit) ist nominell niedriger.
Unabhängig davon können solche vereinfachenden Vergleiche zwischen USA und Deutschland immer nur falsch sein. Die Arbeitslosenzahlen sind unterschiedlich anzusetzen, weil grundsätzlich anders gerechnet wird (Die Statistiken in Deutschland sind ja schon geschönt, aber in den USA gibt es keinerlei behördliche Meldepflicht, d.h. die Arbeitslosenquote wird durch Umfragen geschätzt). Dazu sitzt fast 1% der Bevölkerung im Knast, die zählen schonmal gar nicht. Ausländer (legal oder illegal) auch nicht. Die Lohnnebenkosten sind niedriger, Krankenversicherung des Arbeitnehmers ist unüblich, das Handwerk und die dazugehörigen Ausbildungsplätze gibt es in der hiesigen Form nicht.
Herr Singhammer meint dann noch auf die Frage, wie viele Wochenstunden er denn arbeiten würde »unter 60 selten«. Tja wenn er sich mal auf seinen Hosenboden setzen und konzentriert arbeiten würde, statt hohle Interviews zu geben, dann könnte er sein Pensum sicher auch in 40 Stunden schaffen.


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