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personal

Er ist Anfang sechzig, gebräunt, gepflegt, nur ein klein wenig verknittert, auf diese Art, die ihn interessant wirken lässt. Man könnte ihn für einen Professor halten, die Uni ist ganz in der Nähe, oder vielleicht ist er ein Zeitungsredakteur. Jedenfalls sitzt er an einem Kaffeehaustisch und schreibt, inzwischen schon die dritte Seite auf einem großen Briefblock. Eine gleichmäßige, klare Handschrift und meine Neugier besiegt (wieder einmal) meinen Anstand und ich versuche unauffällig mit zu lesen.
Ein Brief also, genauer gesagt ein Liebesbrief, voller Kraft und schöner Worte und noch ehe ich beschämt wegblicke, erfasst mich eine Ahnung von den großen Gefühlen und der Geschichte die dahinter steckt und ein wenig packt mich der Neid, nicht selbst der Autor zu sein. Die wenigen Fragmente, die ich erkennen konnte hier zu zitieren wäre nicht angemessen, sie würden kitschig wirken, zu dick aufgetragen, gar unglaubwürdig–aber im Kontext einer neuen Liebe, auch im gesetzteren Alter, klingen sie ganz wunderbar.


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