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Die Amsel sprang vom Fensterbrett auf meinen Esstisch und begann Michael Flatley nachzuahmen. Mit den kleinen Vogelfüßen in perfektem Rhythmus, den Kopf vollkommend ruhig an der selben Stelle in der Luft, nur bei jedem 4 Takt einmal kurz mit dem Schnabel geklappert. Das kam mir zwar etwas seltsam vor, aber wer bin ich schon, dass ich mir anmaße das Universum in Frage zu stellen. Na gut, als das kleine Tivoli-Radio auf dem Kühlschrank begann aufzustehen um ebenfalls mitzutanzen wurde ich etwas skeptischer, aber auch da saß ich noch ganz ruhig auf meinem Schreibtischstuhl und beobachtete das Treiben. Vor dem Fenster begannen die Bäume damit ihre Blätter umzufärben, fein, dieses Grün wurde ja auch langsam langweilig. Das Radio wechselte den Sender, spielte jetzt einen alten Schlager, die Amsel begann sich zu wiegen und mitzusingen. Aaah ja. Nicht eben das Volumen von Ivan Refbroff, aber mit durchaus klarer Stimme und akzentfrei: »ich brauch Tapetenwechsel sprach die Birke«. Zwischen den Songs bedankte sich der Vogel und stellte sich als Günther vor. Ich wollte mich einmischen, eine andere Stilrichtung beantragen, aber ich bekam nicht mal den Mund auf. Erst als es während einer Reggae-Einlage rund eine halbe Stunde später Günther gelang den Kühlschrank zu öffnen fiel es mir wieder ein: ich hätte den abgelaufenen Apfelsaft nicht mehr trinken sollen.


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