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(Offline: Hier nachlesen: Der Abend an dem mir John Fogerty einen Rausch bezahlt hat.)
Aus dem Internetarchiv gerettet:

Eine Woche Dienstreise nach Las Vegas im Januar 2005. Kaum Zeit um sich die Perlen des Nachtlebens außerhalb der Casinos herauszupicken, da der böse Wecker jeden Morgen um 5:30 Uhr losschlägt. Am letzten Tag dann ein abschließendes Bier mit den Kollegen am frühen Nachmittag bei »Gordon Biersch«. Letzteres ist Teil einer Kette aus Kleinbrauereien an der Westküste, die sich dadurch auszeichnet, dass sie für dortige Verhältnisse brauchbares Bier erzeugen und keine Spielautomaten rumstehen, eine wohltuende Ausnahme in Las Vegas. Wie das bei geschäftlichen Anlässen üblich ist, verkrümeln sich alle nach dem ersten Bier und da ich den Rest des Abends nichts besseres vor habe, setze ich mich an eine Ecke der Bar um ein weiteres Bier zu bestellen.

Links von mir ums Eck sitzt ein älterer Typ mit weißem Stetson und dunkelblauer Sonnenbrille, der sich an einem Whisky on the Rocks festhält. Nach ein paar Minuten kommen wir ins Gespräch, er stellt sich als John vor, fragt wo ich herkomme, ich erzähle ihm von München (John: »Munich Deutschland. Great city, great beer«) und Santa Clara (John: »hey, i live around there, up in Pleasanton«), es stellt sich heraus, das mein Büro nur ein paar Meilen von seinem Haus in Nordkalifornien entfernt ist. Er schüttelt mir die Hand und über die gefundenen Gemeinsamkeiten fragt er nach meinem Drink, und bestellt die nächste Runde - 2 mal Scotch. Als ich für meinen Whisky die Bestellung auf »ohne Eis« korrigiere, wirft er mir einen fragenden Blick über den Rand seiner Sonnenbrille zu und fragt mit einem fiesen Grinsen, wie ich dieses Zeug runterbekommen würde.

Wir trinken und quatschen für die nächsten 2 Stunden, über Frauen und Jobs und Musik und Politik und was Las Vegas für ein mieses Kaff ist, wie das manchmal so geht wenn man an der Bar eine vertraute Seele trifft. Die Kneipe füllt sich mit Besuchern der »World of Concrete«, die nebenan auf dem Messegelände stattfindet. Ein weiterer Gast, der sich als Tom vorstellt, gesellt sich zu uns, auch er mit Wurzeln in der Bay Area und es wird lauter und wir trinken weiter. Bis irgendwann ein Mann mittleren Alters an uns heranschleicht, sich mehrfach entschuldigt und John um ein Autogramm bittet. Ich stutze ein wenig, der Alkohol hat meine Reaktionszeit schon erheblich runtergebremst, ich kann die Widmung nicht ganz lesen, sehe aber wie er auf dem Block mit John Fogerty unterschreibt. Mir geht ein ganzer Kronleuchter auf, Mr.Creedence Clearwater Revival selbst. Der Mann dessen Musik ich nahezu religiös bei jeder Fahrt über den Highway 17 nach Santa Cruz höre. Tom ist offensichtlich noch überraschter als ich, ringt nach Worten, beruhigt sich dann aber bald wieder und geht nach einem letzten Bier. John und ich trinken weiter bis irgendwann sein Mobiltelefon läutet und er mir erklärt, dass er zu seiner Lady fahren müsse, die sei schon etwas angepisst. Er lässt es sich nicht nehmen die ganze Zeche zu zahlen, was mir etwas unangenehm ist, aber er ist nicht zu bremsen.

Zum Abschied (»it was a pleasure meeting you Andreas from Munich«) erklär ich ihm dann, dass ich bisher nichts gesagt habe, weil ich nicht wie ein blöder Fan dastehen wollte, aber seine Musik bedeute mir wirklich sehr viel. Er grinst nur, weil das wohl der übliche Quatsch ist, den er immer zu hören bekommt. Als ich dann aber noch erwähne, dass das auch für seine Solo-Platten »Centerfield« und »Eye of the Zombie« gilt, nimmt er die Sonnenbrille ab, schaut mich gleichzeitig be- und entgeistert an und meint: »Niemand kennt Eye of the Zomie, und du hörst das? Thanks man!« Er drückt mir noch einmal lange die Hand, schaut mir lange in die Augen und geht dann mit einem Lächeln.

Der Flug am nächsten Morgen über Washington nach München war dank heftigem Restalkohol und erheblichem Schlafmangel ein Alptraum, aber er war es wert.


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