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Eine Gegenposition zu diesem sehr schönen Beitrag, Zitat: »Nennen Sie die drei groessten Huerden, die einem begegnen, wenn man in ein anderes Land umzieht. Simpel: Sprache, Sprache und Sprache«

Natürlich ist Sprache eine Hürde, meist die erste die man nach seiner Ankunft in einem fremden Land nehmen muss, wobei die Höhe durchaus variiert. Als ich nach Nordkalifornien gezogen bin hatte ich mein Schulenglisch bereits gegen eine Mischung aus Simpsons-, Seinfeld- und Usenet-Phrasen getauscht. Damit kommt man in einer Gegend, in der die Bevölkerung mehrheitlich Spanisch oder einen asiatischen Dialekt als Muttersprache hat wunderbar durch. Die Hemmung etwas falsches zu sagen verschwindet schlicht angesichts der Tatsache, dass 40%-60% schlechter Englisch sprechen als du. Der gelegentliche Fettnapf wird natürlich nicht ausgelassen, das passiert mir aber auch im Deutschen und im Grunde hatte ich kein einziges ernsthaftes Problem aufgrund der Sprache. Selbst das romantische Dinner übersteht man, wenn einem das Gegenüber ernsthaft bescheinigt »how cute your accent is«. Im Supermarkt, beim Zahnarzt, im Streit mit dem Hausmeister oder im Arbeitsleben – wenn man nicht völlig sprachlich unbegabt ist, kommt man wunderbar zurecht.

Das größte Hindernis nach meiner Ankunft in Santa Clara war die Bürokratie: man braucht einen Job, eine Wohnung, ein Bankkonto, eine Social Security Number (SSN) und ein Auto um in Kalifornien leben zu können. Was ich hatte war die Zusage für einen Job, die benötigte Adresse, SSN und Kontonummer konnte ich nachliefern. Aber. Um den Gehaltsscheck einzulösen benötigt man ein Bankkonto. Um ein Bankkonto zu eröffnen, braucht man eine Adresse und eine SSN. Um eine Wohnung zu mieten braucht man eine SSN und einen Cashier's Check (Banktratte), den man nur mit einem Bankkonto erhält. Um eine SSN zu erhalten braucht man Geduld, die richtigen Formulare und – richtig – eine Anschrift. Und um zwischen all diesen Stellen hin und her zu fahren braucht man einen Wagen, den man aber nur kaufen/leasen kann, wenn man ein Bankkonto, eine SSN und eine Anschrift hat. Ein wahrer Catch-22. Irgendwie hab ich es mit ein paar Tricksereien doch geschafft diesen Knoten aufzulösen, aber eins ist sicher: Sprache war dabei die geringste Sorge.


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