Dass Dream Theater eine meiner Lieblingsbands ist, dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben. Nun war mir aber deren letzte Platte "6 Degrees of inner turbulence" so egal, daß ich hier nicht einmal eine Kritik gepostet hatte. Aufs Konzert ging es dann trotzdem weil der Kollege aus Fresno Tickets besorgt hat und mit den richtigen Leuten selbst ein mittelmäßiges Konzert noch sehr viel Spaß machen kann.

Schon am frühen Mittag begeben sich die üblichen Verdächtigen nach San Francisco, das Wetter ist wie für Touristen gemacht, also schaut man sich halt ein paar Sehenswürdigkeiten an, geht auf den Coit Tower, schlürft einen Cappuccino im Cafè Puccini und hat später Dinner in Chinatown, in einem Restaurant in dem niemand englisch spricht, schwierig aber lecker.

Eine halbe Stunde vor Showbeginn betreten wir das ausverkaufte Warfield, ein wunderschönes altes Theater mit einem Fassungsvermögen von geschätzten 3000 Leuten und keinem einzigen schlechten Platz im Haus. Alte Männer die wir sind haben wir Sitzplätze auf dem Balkon - erste Reihe Mitte, direkt neben dem Mischpult! Aber selbst bis die Lichter um Punkt 8 Uhr ausgehen bin ich noch nicht wirklich auf ein Rockkonzert eingestellt und habe so gut wie keine Erwartungshaltung. Nach einem kurzen Intro schlagen Dream Theater mit "The Glass Prison" los und schon um 8:03 bin ich wiedermal völlig vom Sound überfahren und bekennender Fan. Was danach geschieht lässt sich nur anhand der Fakten beschreiben, für die Gefühle reichen die Worte nicht aus.

"Strange Deja Vu" wird gefolgt von "Surrounded", dass ich seit 1994 nichtmehr live gehört hatte - zu diesem Zeitpunkt könnte ich bereits glücklich heimgehen. Der komplette erste Teil ist eine Werksübersicht, mit Ausnahme von "Awake" kommen alle Platten zum Zug und werden vom Publikum so abgefeiert wie ich das selten erlebt habe. Kuriosum am Rande: 3 Sitze rechts von mir sitzt eine ältere Dame, geschätztes Alter Anfang 60, in gepflegter Abendgarderobe und heftig am Mitklatschen und -singen. Wir vermuten zuerst sie sei die Mutter eines der Musiker. Auf Nachfrage erfahren wir aber, dass die gute Frau Hardcore Fan ist, der Band aus England über Spanien nachgereist ist und auf dieser Tour Karten für 35 Shows hat - Respekt!

Nach einer Pause von 20 Minuten folgt mit dem rund 40minütigen Titellied der letzten CD für mich der Tiefpunkt des Abends, der aber immer noch besser ist als 75% aller bisher gesehenen Konzerte. Danach gibts mit "Home" noch mal ein etwas moderneres Brett bei dem sich vereinzelte Moshpits bilden, bevor als Abschluss das unvermeidliche "Pull me under" präsentiert wird, allerdings mit einer kleinen Neuerung - als Mittelteil gibts den kompletten Song "Master of Puppets", in einer Version die die Urheber Metallica verdammt alt aussehen läßt. Schwach auch, dass keiner der Herren von der M-Band, die ja hier in der Gegend wohnen, auf einen Jam vorbeikommen, man will sich wohl nicht blamieren.
Mit einer netto Spielzeit von über 3 Stunden geht ein einmaliger Abend damit zu Ende, dass wir für 20 Minuten durch strömenden Regen zum Auto gehen müssen, was aber der Stimmung keinen Abbruch tut, das ist halt San Francisco.


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